Gegen 00:30 kamen wir am 10.05. in MELBOURNE an. Eigentlich war abgemacht gewesen, dass uns Renne vom Flughafen abholen sollte. Aber als wir am Gepäckband warteten, rief er an und meinte, dass er wohl am falschen Flughafen stehe, weil kein Flieger aus Perth da wäre. Seltsam, komisch! Wir haben dann eben ein Taxi in die Stadt genommen – und die ist riesig. Also waren wir mal locker 60 Dollar los. Auf den letzten Metern stieg dann Renne zu uns – Handys sind schon was Feines – großes Wiedersehen (Gänsehaut und ganz großes Kino) und die beruhigende Feststellung, dass auch zwei Jahre nix bedeuten müssen. Er ist noch ganz der Alte, okay vielleicht hat er ein paar Sonnenfältchen mehr und die Haare sind n bissel länger, aber sonst war alles wie beim Abschied damals in Neuseeland! Sehr, sehr schön! Und er hatte sich gekümmert, wohlwissend dass ich ja schon n bissel älter bin und n Bett für den Rest der Nacht brauchte. Er hatte uns also schon n Hostel besorgt. Und auch wenn man nicht mehr auf die Dachterasse durfte, haben wir bis spät spät spät gequatscht, Wein und Bier getrunken und uns einfach gefreut! Und seinen Ball hat er nun auch wieder.
Hoffentlich passt er gut auf ihn auf, schließlich ist der schon gut rumgekommen und nicht das erste Mal am anderen Ende der Welt.
Wenige Stunden später mussten wir dann schon wieder aufstehen. Denn je größer die Stadt und damit das Hostel, desto strikter die Checkout-Time. Immerhin gab es um die Ecke genügend Cafés mit genügend großen Kaffees (dani war doch leicht verkatert) und verdammt guten Frühstücksleckereien. Wir sind dann n bissel verpeilt quer durch Melbourne-City gelaufen.
Ein bissel planlos, aber irgendwann landeten wir dann doch am Fährterminal und konnten uns für den Abend ein Ticket ziehen. Der Typ dort hat in den höchsten Tönen von Tasmaniens Tracks geschwärmt. Das klang in jedem Fall viel versprechend, auch was die Tierwelt anging... Gegen 18:00 wurde es dann ernst. Einchecken auf der Spirit of Tasmania. Also schlimmer als Flughafenkontrollen. Wir hatten uns extra schon den Sprit für unseren Kocher besorgt, aber den konnte ich direkt wieder entsorgen – verboten. Dani hatte gleich doppeltes Pech. Sie geriet an eine Tussi, die richtig schlechte Laune hatte und ihr prompt den großen Rucksack abgenommen hat. Renne und ich konnten dagegen das komplette Gepäck mit reinnehmen, absolut unlogisch.
Die Fähre war n richtig großes Ding, mit Restaurant, Bar, Entertainmentecke etc. Also sind wir erstmal ne Runde rumgeschlendert um dann später doch in den Oceanview Recliner Sesseln zu versinken – Backpacker-Holzklasse - Renne hatte kein Problem mit dem Pennen. Dani und ich haben uns irgendwann doch lieber auf die Erde gelegt, zwischen die Reihen.
Das hatte dann zwar zur Folge, dass einem jeder Bewegung des Schiffs durch den Magen ging und dass uns irgendwelche Leute rüde weckten, um dann doch wieder woanders hinzugehen – aber nach 11 Stunden ging dann ja auch das große Licht an und es hieß Zähnerubbeln und inseltauglich machen. DEVENPORT. Angekommen.
Immerhin, in Devenport schien man darauf eingerichtet zu sein, dass um 07:00 jede Menge hungriger Leute anrollen, also gab´s Pfannkuchen und Kaffee. Den brauchten wir aber auch, weil wir nämlich durch die halbe Stadt stiefeln musste, um ein Hostel bzw. die Touri-Information zu erreichen. Mit Sack & Pack, keine echte Freude.
In der Info gab es dann die nächste Ernüchterung: da wir in der Nebensaison unterwegs sind fährt der Busshuttle zum Craddle Mountain nicht mehr täglich, sondern nur noch montags (also quasi gleich) und mittwochs. Aha! Also Planänderung. Die Frau von der Info war zum Glück sehr geduldig, egal ob es um unsere Wanderpässe, die Busreservierungen, die Fähre back zum Festland oder all unsere Zwischenüberlegungen ging. Wir haben uns dann für 2 Tage ein MiniMiniAuto ausgeliehen, um die verbleibenden 48 Stunden bis zum nächsten Bus nutzen zu können. Uns so sind wir dann schon um 10:00 direkt zum NARAWNTAPU NATIONALPARK gegurkt – endlich wieder Hügel, Kurven, sattes Grün. Eine Wohltat fürs Auge nach all dem kargen Land an der Westküste. Das alles hier erinnerte an Neuseeland und das war schön! Im Nationalpark haben wir dann gleich eine kleine Wanderung gemacht und jede Menge Wallabies gesehen.
Also eigentlich sagt man ja, dass die eher nachtaktiv sind, aber das können wir nicht bestätigen, die turnten da überall rum!
Am Strand hatte Renne dann eine ganz tolle Idee. Kreatives Malen im Zuckersand.
Auf dem Rückweg haben wir dann ganz vielleicht und ganz kurz den Arsch eines Tasmanischen Teufels gesehen. Dani ist sich da nach wie vor sicher, Renne und ich haben aber nicht angemessen reagiert – und deswegen war das dann wohl auch der einzige Moment, in dem uns so ein kleiner (bedrohter) Racker begegnet ist. Aber das konnten wir ja nicht ahnen :-(
Gegen Abend zeigten sich dann das erste Mal die Wombats, überall schlawenzelten dicke knuffige Pelzmonster über die Wiese. Und um ihnen n bissel näher zu kommen, mussten wir leider auch mal den Bird Hide überwinden.
Später hat uns Renne dann in die Kunst des BBQ der Australier eingeführt. Das ist schon genial: überall im Land gibt es diese BBQ-Grille, die jeder benutzen kann, einfach Grillzeugs rauf und dann ist man ganz fix satt und zufrieden. Das wäre auch was für die grillfreudigen Deutschen, aber wahrscheinlich würde es nicht lange dauern und die Teile wären entweder komplett verdreckt oder von Vandalen zerstört. Hier in Australien scheint man das besser schätzen zu können.
Im Nationalpark konnten wir leider nicht schlafen, also ging es irgendwann retour nach PORT SORELL.
Am nächsten Morgen haben wir endlich mal richtig ausgeschlafen und in Ruhe gefrühstückt. Ich glaube, der Renne hat sich schon über das geschnippelte Obst gefreut :-) Wir sind dann für einen Minieinkauf nach LAUNCESTON (100.000 Einwohner) gefahren, das ist nach der Hauptstadt Hobart die zweitgrößte Stadt auf Tasmanien. Aber im Grunde war´s ein kleines Städtchen, überschaubar und ganz nett. Dort in der Nähe gab es die TAMAR ISLAND WETLANDS.
Man läuft dort über Stege von Inselchen zu Inselchen und könnte rein theoretisch ganz viele Vögel sehen. Bei uns bleib es bei der Theorie. Leider!
Der Versuch dann in einer nahe gelegenen Gorge das BBQ zu starten scheiterte dann leider, weil´s ausgerechnet dort mal keinen Grill gab (grummel). Also ging´s dann eben zurück nach DEVENPORT. Dort haben wir nach einigem Suchen dann doch noch die Orientierung und ein BBQ am Strand gefunden. Zum Glück, schließlich hatten wir lecker Fleisch, Käse und Pilze. Tja und dann mussten wir wohl oder übel zum Ernst der Planung übergehen und für den Track einkaufen. Keine einfache Sache, denn alles was man zum essen kauft muss gewichtstechnisch durchdacht sein – weil man nämlich auch jeden Fetzen Müll mit sich rumtragen muss. Unsere Wahl fiel dann wie damals auf Stewart Island auch auf Brot mit Käse für den Morgen, Müsliriegel für den kleinen Hunger zwischendurch und 2-Minuten-Nudeln für den Abend. Und weil wir mittlerweile wussten, dass es auch keien Matrazen auf den Hütten geben würde, holten wir uns auch noch Isomatten. Mit all dem Kram ging dann im Hostel Molly Malones das große Packen los. Ich weiß nicht genau, was Schwieriger war: alles Nützliche und Essbare in den großen Rucksack zu packen oder alles Unnütze in den kleinen. So oder so, war´s ne knappe Sache. Den letzten Abend in der Zivilisation haben wir dann bei viel Bier begossen und dabei zur Kenntnis genommen, dass der Himmel sich bedrohlich verdunkelte.
Tag 1 Overlandtrack - Am nächsten Morgen war dann klar: das Wetter sieht nicht doll aus. Regen, Regen, Regen! Der TassiLink für uns und ein paar andere Verrückte – unter anderem einen alten Mann, der wild entschlossen aber eigentlich doch zu alt für den Track wirkte – zum CRADDLE MOUNTAIN LAKE ST. CLAIR NATIONALPARK, der zum Weltnaturerbe gehört.
Wir wollten die Tour von Norden aus laufen. Dort gab es zum Glück noch eine letzte Infostelle und die Möglichkeit, sich noch mit dem Allernotwendigsten zu versorgen. Für uns waren das ein Kaffee und eine Regenhose für jeden. Gegen 13:00 sind wir dann bei eigentlich ganz schönem Wetter bei RONNY CREEK gestartet.
Es ging erst eine Weile über Duckboards (Stege) durch die feutchten Wiesen mit Buttongras und dann immer mehr bergauf zu den Crater Falls und Crater Lake.
Am Anfang spielte das Wetter noch mit, aber je höher wir kamen – und wir kamen hoch bis auf 1233 Meter – desto schlimmer wurde es: Regen, Wind, Schneesturm. Oben am MARIONS LOOKOUT war es dann echt schon etwas gefährlich. Man musste krachseln, sich gleichzeitig aber auch gegen den Wind legen und einfach hoffen, dass nix passiert.
Wir haben es geschafft! Die erste Hütte KITCHEN HUT haben wir genutzt um schnell im Geschützen einen Müsliriegel zu verspeisen. Bleiben konnten wir dort allerdings nicht, die Hütte gilt nur als Notunterkunft in Notfällen. Und den hatten wir ja zum Glück nicht. Also ging es gleich weiter, jetzt eher talwärts zur WATTERFALL VALLEY HUT. Doch es blieb dabei, entweder gab´s Wasser von oben oder von unten - in der Regel aber in Kombination! Nach 10 Kilometern hatten wir die erste – und laut Höhenprofil der Karte auch steiltste - Etappe geschafft! Puh. Die Hütte war nicht sonderlich groß, aber wir hatten Glück: obwohl wir erst noch n bissel Zeit bei den Wombats draußen vertrödelt hatten, fanden wir noch 3 freie Betten.
Und einen Ofen gab es auch. Von dem hatten wir allerdings nicht viel. So eine blöde englische 3-Gruppe hatte ihn komplett für sich in Anspruch genommen und so wurden unsere durchgeschwitzten und regennassen Klamotten noch nicht mal ansatzweise trocken. Wie auch immer, die Instantnudeln stärkten uns ein bissel und auf die Flasche Wein, die Renne tapfer getragen hatte (und als Müll auch weiter tragen musste) und die wir nun feierlich leerten waren wir auch stolz. Und letztlich ließ uns die Hoffnung auf besseres Wetter einigermaßen schlafen. Obwohl wir uns ein wenig wunderten, dass der alte Mann aus dem Bus, den wir noch an der Emergencyhütte gesehen hatten, nicht aufgetaucht war. Es wusste auch niemand von den anderen, was mit ihm geschehen ist. Und draußen tobte der Wind, schlug der Regen an die wenigen Fensterscheiben. Nicht unbedingt vielversprechend!
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Tag 2 Overlandtrack – Regen, Regen, Regen! Ohne Übertreibung: ein Sauwetter! Und uns blieb nix anderes übrig, als wieder in die nassen Klamotten vom Vortag zu steigen. Die erste Etappe des Tages führte uns über 7,75 Kilometern zur WINDERMERE HUT.
Gleich am Anfang mussten wir über einen ziemlichen Wasserlauf kommen. Bei anderen Wetterverhältnissen hätte man das vielleicht mit einem Sprung erledigen können. So aber suchte uns Renne ein Stück flussabwärts eine Möglichkeit über Baustämme balancierend ans andere Ufer zu kommen. Und das klappte. Der Rest des Weges war okay, aber passende Fotos gibt es im Grunde nicht, weil man eh nur nach unten guckte um nicht noch mehr auszurutschen als nötig. Das ein oder andere Mal legten wir uns alle hin, ich öfter als Dani und Renne, aber egal! Und außerdem war ja eh immer alles nass: wir, unsere Rucksäcke und alles um uns herum!
Und weil wir nicht die Ersten waren, die am Morgen losgekommen sind, waren wir hier eben auch nicht ganz weit vorne. Insofern erwartete uns schon besagte englische 3er-Ofenbesetzer-Gruppe. Tolle Aussichten! Im Grunde mussten wir nicht lange überlegen, um zu entscheiden, dass wir heute noch ein ganzes Stück weiterlaufen werden. Warum auch nicht, der Tag war noch jung, das Wetter eh beschissen, was soll´s. Immerhin ein Gutes hatte der kurze Zwischenstopp: wir trafen den alten Mann wieder. Der Arme hatte am Vorabend unsere Hütte übersehen und nur die ganz kleine daneben wahrgenommen und dachte sich, dass er da eh keinen Platz mehr finden würde und so hat er sich weiter auf den Weg gemacht. Nur kam dann keine Hütte mehr und er musste notgedrungen im Busch übernachten. Bei dem Wetter! Er konnte noch nicht mal sein Zelt aufbauen, zum einen weil der Platz im Wald nicht optimal war und zum anderen weil der Wind so heftig war. Also hatte er sich notgedrungen mit seinem Schlafsack in den Regen gelegt. Und so sahen er und sein Schlafsack nun aber auch aus. Der arme Wurm hatte einfach nix Trockenes mehr. Ich betone: und dann diese Ofenbesetzer im Nacken. Später erfuhren wir aber, dass der Kerl der Gruppe ihm aber wenigstens einen trockenen Pullover geliehen hat. Okay, damit sind sie keine ganz großen Arschlöcher mehr.
Wir hatten jedenfalls keine Lust da zu bleiben und so ging es los zur nächsten Etappe: die längste des ganzen Tracks. Denn auf den 16,75 Kilometern kam einfach nix mehr. Weder ne Hütte noch n Schild – so jedenfalls habe ich das empfunden.
Irgendwann konnte ich das Gepatsche der Füße in den Pfützen, das Gepladder des Regens auf der Jacke, das stumpfsinnige Nachuntengucken und all das Laufen nicht mehr ertragen. Ich hatte schlichtweg die Schnauze voll! Immer ging es bergauf, bergab. Ich wollte nicht mehr – und das hab ich mir auch anmerken lassen. Dani und Renne mussten sowieso schon immer auf mich warten, weil ich einfach langsamer bin (liegt anatomisch begründet an den kurzen Beinen und so…). Und irgendwann mussten sie halt noch länger warten.
Dann haben sie aber ihre „Taktik“ gewechselt und mich in die Mitte genommen, Dani meinte, dann laufe ich schneller.
Naja, das stimmte fast. Denn ab einem gewissen Punkt wollte ich ja gar nicht mehr laufen. Dani ist aber herrlich ruhig geblieben, hat enifach nur gesagt, dass ich aber muss und dann hab ich´s weiter versucht. Gefühlt bin ich glaube ich alle 10 Meter stehengeblieben.
Den letzten Berg (Dani nennt das Hügel) hab ich verflucht, ich hab geschimpft und mit den Füßen gestampft und mich gleichzeitig ganz doll über mich selbst geärgert… Vor allem saß uns ja die Zeit im Nacken. Wenn es dunkel wird, möchte man diese glitschigen Wege – ich nenn sie angemessener Weise lieber Wasserläufe – auch nicht laufen. Überall Wurzel, überall Wasser, kein Spaziergang!
Wir hatten Glück und kamen kurz vor der Dunkelheit dann doch noch in der NEW PELION HUT an. Nach insgesamt 23 Kilometern.
Die Hütte hier war riesig. Es gab einen großen Raum mit Tischen und Bänken und einem kleinen Ofen und dann noch zig kleinere Räume mit den Betten. Es waren unheimlich viele Menschen da. Wir fanden aber noch 2 Betten, die aber zum Glück breit genug waren, dass wir alle drin schlafen konnten. In unserem Raum war aber auch ein Teil einer Klasse untergebracht, das sollten wir dann am frühen Morgen merken. Egal, wir waren erstmal froh, überhaupt da zu sein.
Dass der Ofen nicht funktionierte (es gab zwar 4 große Gasflaschen draußen aber sie müssen wohl alle leer gewesen sein) schockierte uns nur kurz, weil wir eh so spät dran waren, dass unsere Klamotten eh nix von der möglichen Wärme abbekommen hätten. Immerhin, daußen machten sich ein paar Opossums einen Bunten, nämlich an den Rucksäcken von den Junges der Schulklasse. Eigentlich mag man es nicht glauben, aber die sind doch wirklich in der Lage die Reißverschlüsse zu öffnen. Naja, die Jungs hat´s nicht interessiert und wir konnten in Ruhe Fotos machen und die Kälte verdrängen.
Damit war´s dann aber später vorbei: wir mussten bei vielleicht gerade mal 5 Grad Raum- und Außentemperatur in unsere Schlafsäcke steigen und haben verdammt gefroren in dieser Nacht.
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Tag 3 Overlandtrack – Die Schulklasse wurde verdammt früh verdammt eindeutig von ihrem Lehrer geweckt. Uns so waren wir auch wach. Der Gedanke in die nassen und kalten und mittlerweile auch stinkenden Sachen zu steigen, war einfach widerlich. Aber wir hatten ja keine Wahl. Und im Nachhinein würde ich auch sagen, dass nur die ersten Minuten eklig sind, danach gewöhnt man sich dran und die Körperwärme tut das ihrige. Und was soll´s, draußen erwarte uns eh wieder nur Regen, Regen, Regen. Zum Glück lagen diesmal nur 9 Kilometer vor uns. Und der letzte (!) Berg des Tracks. Aber wenn man weiß, was man am Vortag geschafft hat, dann schockt einen das nicht mehr – insofern war auch ich ein klein wenig entspannter.
KIA ORA HUT war wieder kleiner und hatte einen Ofen, den Renne auch irgendwann mit ganz viel Spiritus zum Laufen bringen konnte. Und weil wir die ersten in der Hütte waren, konnte wir alle unsere Klamotten aufhängen und drauf hoffen, dass der stetige Temperaturanstieg von 5 Grad auf 18 Grad was bringen würde. Irgendwann trudelte dann eine ganz nette Familie mit zwei Kindern ein. Der Junge war echt noch nicht so alt, aber trotz all der Anstrengungen – auch er schleppte seinen eigenen Rucksack – verdammt guter Dinge.
Später tauchte dann eine Klasse auf, die den Track von Süden machte (man trifft also nicht nur die Leute, die das gleiche Timing haben, sondern immer auch Neue, die die andere Richtung laufen) und die waren wirklich ziemlich hart drauf. Schwatzhaft und scheinbar kälteunempfindlich. Denn eigentlich wollten sie draußen zelten. Als der Lehrer dann aber die neueste Wetterprognose bekannt gab (Schnee!), haben sie sich dann doch die letzten freien Betten gekrallt. Verständlich!
-->Tag 4 Overlandtrack – Unglaublich aber wahr: als wir am nächsten Morgen aus der nun doch wieder kalten Hütte guckten, lagen da tatsächlich 30 bis 40 cm Neuschnee!
Aber irgendwie stimmte uns das dann doch freundlicher. Denn Schnee klingt unter den Füßen einfach anders als Wasser. Das Licht war auch anders.
Und so lagen wir wieder so gut in der Zeit, dass wir auch nach 10 Kilometern bis zur WINDY RIDGE HUT die ersten in der Hütte waren. Dieser Bau war nun so eine Art Kunstobjekt, gebaut aus Stahl und Holz, etwas windschief mit hohen Decken aber wohl modern. In jedem Fall riesig! Und der einzige kleine Ofen stand im riesigen Küchenbereich. Zum Glück hatte jemand schon alles zum Anheizen bereitgestellt und so konnten wir die Innentemperatur mit viel Holz von 3 Grad auf 14 Grad hoch heizen. Und wir hatten dazu gelernt: am Vorabend hatten wir unsere Klamotten ja auch einigermaßen trocken gekriegt, da wir aber den Ofen nicht über die Nacht retten konnten, waren sie am Morgen wieder nass und kalt. Diesmal trockneten wir die Klamotten also einzeln vor dem Ofen und packten sie dann (stinkend wie sie waren) wieder in den Rucksack. Sicher ist sicher!
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Renne war dann sogar so guter Dinge, dass er in Flipflops einen Schneemann baute. Die Nerven muss man haben!
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Die Familie, die dann auch irgendwann eintrudelte freute sich jedenfalls über den warmen Raum. Der kleine William vom australischen Festland hatte eh noch ganz leuchtende Augen, er hatte zum ersten Mal in seinem Leben echten Schnee erlebt. Und dann rückte die nächste Schulklasse an! Es ist schon verrückt, was die Schulen hier in Tasmanien so veranstalten. Ich meine, es ist sicher kein Kinderspiel einen Haufen Halbstarker bei dieser Witterung sicher von A nach B zu kriegen. Aber irgendwie läuft das alles ganz gesittet ab. Die Mädels hier hatten dann irgendwann auch verstanden, dass geschlossene Türen dem Raumklima dienen. Während die Kiddies in den weiterhin saukalten Schlafräumen nächtigen mussten, packten wir uns vor den Ofen, legten noch mal richtig nach und so glimmte er auch am frühen Morgen noch. Perfekt! Mittlerweile waren wir nämlich auch dazu übergegangen, auf dem Ofen unser Wasser für Kaffee und Nudeln warmzumachen, weil unser Spiritus für den Kocher so langsam dem Ende entgegen ging.
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Tag 4 Overlandtrack – Das erste Mal kein Regen, kein Neuschnee sondern nur noch kleine weiße Reste. Hoffnung auf Sonnenschein! Und weil wir ja durch unsere Doppeletappe am zweiten Tag Zeit gewonnen hatten, machten wir uns auf zum ersten Sidekick.
Im Grunde gab es schon vorher immer wieder ganz toll klingende Gelegenheiten, vom Hauptweg abzukommen, aber bei dem Sauwetter machte das bisher ja keinen Sinn.
Und so ging es nun ca. 10 Kilomter ganz entspannt durch die allerschönste Regenwald- und Moorlandschaft zum PINE VALLEY. Der Weg war wirklich genial, der Wald ein echter Zauberwald!
Und zur Belohnung hatten wir dann erstmalig eine ganze kleine Hütte für uns alleine und dank eines Kohleofens irgendwann sogar knackige 20 Grad in der Bude. Super! Eigentlich soll man den Ofen ja nur anschmeissen, wenn es weniger als 10 Grad sind (wir lagen ja immer deutlich unter dieser Marke) und dafür gibt es extra ein übergroßes Thermometer in jeder Hütte - aber weil nicht genau da stand, was zu tun (oder zu lassen) ist, wenn die magischen 10 Grad erreicht sind, haben wir schön weiter nachgefeuert - wir hatten ja auch akuten Wärmenachholbedarf!
Zur Dämmerung sind wir dann noch mal losgezogen, wir wollten gucken, ob es irgendwo in den klaren Tümpeln vor dem Camp Platypusse gibt. Aber auch wenn wir die Bedingungen dort für ideal hielten, gesehen haben wir keines dieser Fabeltiere.
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Tag 5 Overlandtrack – Welch ein Wetterchen! Nicht unbedingt warm, aber blauer Himmel und herbstlicher Sonnenschein.
Da machte es sogar Spaß, den halben Weg des Sidekicks wieder retour laufen zu müssen. Und schön, wie sich wieder alles beruhigt: Wegstrecken, die am Vortag noch überflutet waren, konnten nun schon fast trockenen Fußes genommen werden.
Irgendwann trafen wir so nach und nach auf die anderen, die vor 5 Tagen mit uns gestartet waren. Kein so schlechtes Gefühl, in derselben Zeit wenigstens einen kleinen Extraschlenker mitgenommen zu haben.
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Die NARCISSUS HUT lag wirklich traumhaft schön am Lake St. Clair – wir haben sie trotzdem übersprungen. Ein kurzer Check des Kohlevorrats versprach nix Gutes und außerdem wollten wir lieber noch n bissel Zeit gewonnen zum Zieleinlauf, schließlich freuten wir uns wie die Schnitzel auf eine Dusche! Und so sind wir noch weiter gelaufen bis zum ECHO POINT HUT. Die Strecke war wirklich schön, sie führte durch den weiterhin genial verwilderten Regenwald, aber der See war immer in Sichtweite.
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Und weil das Wetter nun endlich wirklich gut war, hatten wir auch die Muße ab und an mal ein kleines Päuschen einzulegen, mal links und rechts zu gucken und uns zu freuen.
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Renne hatte nun auch seine Beschäftigung gefunden, um die Zeit rumzukriegen, wenn er mal wieder auf mich warten musste (die Wurzeln dort überall waren halt noch immer verdammt glatt, und so wirklich oft scheint der Ranger den Weg auch nicht abzulaufen, so wie es dort aussah): Renne jedenfalls guckte ganz genau hin, er suchte Pilze!
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Die Hütte - auch direkt am See - war dann allerdings mit nur 8 Betten ziemlich klein und schon ziemlich voll! Die ersten packten draußen schon ihre Zelt aus. Und am See kündigte sich die nächste Schulklasse, diesmal mit Kajaks... Aber auch diesmal hatten wir Glück und fanden ein großes Bett. Der Ofen blieb leider aus, scheinbar verspürte niemand das Bedürfnis, auf den letzten Drücker nochmal Aktion zu machen. Egal, war ja eng genug!
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Tag 6 Overlandtrack – Immer mit der Ruhe, wir warten entspannt, bis alle anderen losgezogen sind, wir haben ja Zeit: also gibt es in der Morgensonne ein Zähnerubbeln auf dem Steg (ganz Eilige könnten von hier aus mit der Fähre fahren)! Ganz Eilige können wir hier oder von der letzten Hütte aus die Fähre nehmen, aber das haben wir nicht vor.
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Also ging es ein letztes Mal über Wurzeln, Baumstümpfe, kleine Brücken und Holzstege zurück in die Zivilisation, zur CYNTHIA BAY! Und hier holt uns ganz schnell die Ernüchterung ein: Abzocke!
Im Grund gab es nur eine doofe Touristeninformation und das wras. Das Ganze schimpfte sich dann „Wilderniss Resort“. Pustekuchen, es gab zwar ein Camp, aber ansonsten nix. Die nächste Häuseransammlung mit einer eventuellen Einkaufsmöglichkeit – selbst das konnten die von der Info nicht genau sagen – war 5 Kilometer weg. Aha! Es gäbe da zwar eine Shuttlemöglichkeit, aber die kostet pro Nase 10 Dollar. Aha! Naja, wir haben dann eben eingecheckt, unsere Rücksäcke abgeladen und sind dann nach 90 Kilometern auf dem Overlandtrack nochmal 5 Kilometer ins Dorf gelaufen. Da fiel uns dann aber wenigstens noch das Abschlussfoto ein, das einfach dazu gehört, auch wenn es nun nicht mehr ganz stilecht war.
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In dem Kaff gab es dann nur ein Hotel (immerhin konnte man dort Wein kaufen) und eine Tanke mit Miniauslage „Hungry Wombot“ (da gab es nichts außer ein paar Überlebensnudeln und Soße). Also nicht wirklich der Bringer, aber immerhin der erste richtige Kaffee seit Tagen.
Auf den Rückweg hatte keiner von uns wirklich Bock, also haben wir den Daumen rausgehalten. Und obwohl es schön ziemlich spät war, kam doch tatsächlich noch ein Camper vorbei und das australische Ehepaar hielt tatsächlich für uns an. Supernett! Vor allem, weil wir stinkend wie wir waren, bei ihnen einsteigen durften. So waren diese Kilometer ein Kinderspiel und wir ne Stunde früher bei unserer wohlverdienten Dusche (1 Dollar für 6 Minuten), zwei vollgepackten Waschmaschinen und dem 2-Komponenten-Mahl unserer Träume. Und am Ende gabs dann auch den Wein!
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Und Opossums, die wahlweise ins Minizimmer schlappten oder durch die Scheibe guckten. Herrlich!
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Wir haben derweil Kniffel (ich hab so ziemlich das erste Mal in 5 Wochen verloren) und Shit Head (hier ist Dani unschlagbar) gespielt.
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Der 20. Mai war dann ein ziemlicher Gammeltag. Weil unser Bus und die Fähre erst für den nächsten Tag gebucht waren, hatten wir jede Menge Zeit um auszuschlafen, das Pseudoküchenbüffet in der Info zu plündern, einen kleinen Talk mit dem alten Mann vom Track zu halten (er kam gerade an, glücklich und stolz aber auch erschüttert über die Entwicklungen vor Ort) noch ein Nickerchen zu halten und dann irgendwann doch noch mal in den Wald zu gehen. Wir wollten den kleinen Aborigines Cultur Walk machen (traurig, dass es in Tasmanien schon längst keine Ureinwohner mehr gibt, die wurden alle auf noch kleineren Inseln ausgesetzt bzw. sind an aus Europa eingeschleppten Krankheiten gestorben - und nun legt man einen Weg an, der an sie erinnern soll und klopft sich dabei auf die Schulter) und vor allem endlich die Platypusse sehen.
Diese Schnabeltiere sehen einfach aus als wären sie nicht von dieser Welt: wie ein plattgedrückter Biber, mit Schwimmhäuten an den Füßen und einem Entenschnabel - es ist ein eierlegendes Säugetier, dieses Schnabelwesen. Am Lake gab es einen Beobachtungspunkt mit vielen Infos, aber dort konnten wir die scheuen Viecher nicht entdecken. Eine Ecke weiter gab es dann eine kleine Bucht. Da harrten wir geduldig aus - und plötzlich machte es "plopp" und für eine kleine Sekunde war ein Schnabel zu sehen. Da die Kerle aber locker eine Minute unter Wasser bleiben können, hat man kaum eine Chance sie richtig zu sehen. Denn wo sie dann irgendwann wieder auftauchen und kurz Luft schnappen, weiß man ja nicht. Kurzum, für ein Foto reichte es nicht!
Der ganze Donnerstag bestand aus Abschiednehmen von Tasmanien. Mittags fuhr uns der Bus nach Hobart, von dort aus ging es zurück nach Devenport. Und um 18:30 Uhr waren wir auf der Fähre gen Festland. Traurig!
In Melbourne erwartete uns dann nicht mehr viel, nur das Übliche des letzten Tages: Rumlaufen, ein Hostel für die Nacht suchen, Einkaufen etc. Immerhin, wir haben es uns kulinarisch richtig gutgehen lassen. Renne hat uns am Nachmittag endlich die langersehnten Pilze gemacht (saulecker) und Dani dann tief in der Nacht die guten alten Sauren Eier (nochmal saulecker). Dazwischen gab es viele Spiele und nochmehr Wein.
Am Samstag brachte uns Renne dann tapfer zum Flughafen. Und dort stellten wir dann auch fest, dass er uns damals tatsächlich (fast) abgeholt hätte. Wir standen nur 100 Meter weiter am Jetstar-Terminal, während er beim Domestic-Terminal der großen Airlines wartete. Naja, wir haben uns ja gefunden - und die Zeit zwischen diesen beiden Flughafengeschichten war einfach nur eins: superschön!
Dani und ich jedenfalls mussten den Renne dann irgendwann alleine lassen, für uns ging es über Singepur und London zurück nach Berlin. Aber mal sehen, vielleicht sieht man sich ja demnächst in Kanada... wie wäre es mit einer Fortsetzung auf "sunflower-trifft-grizzly"?